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2. Etappe Roncesvalles – Trinidad de Arre / Villava (Montag, 30.04.2018)

(2. Etappe ca. 37 km – Roncevalles –> Trinidad de Arre / Villava (30.04.2018)) Heute morgen wollte ich eigentlich mit Stefan laufen, aber der hat gesagt, er hätte sich jetzt einen Platz in der nächsten Herberge reserviert, ich wusste nicht, dass man das kann, finde es auch irgendwie unfair, und deshalb wollte er nicht mehr so früh los, was mich ziemlich ärgerte, weil ich seit fünf wach war und nur auf ihn gewartet habe. Nun ja, seit 5 wach ist jetzt nicht so schlimm, weil ich auch vor neun geschlafen habe, es waren trotzdem gute sieben Stunden Schlaf. Und schnarchen…. Direkt neben mir hat ein Pilger geschnarcht, es war der einzige in unserem Raum, der geschnarcht hat, aber der hat so laut geschnarcht, dass er zwischendurch selber davon wach geworden ist. Das heißt, er wurde immer lauter und irgendwann schreckte er hoch und dann wurde es wieder leiser – und das hielt an. Das war irgendwann nicht mehr lustig.
Jetzt gerade ist es noch dunkel, man sieht so gut wie nichts. Vor mir laufen zwei Herren, von denen einer zum Glück eine Stirnlampe auf hat, das heißt ich kann mir so ein bisschen denken, wo ich hintrete und wo es hingeht. Das ist es halt, ich habe oft keine Ahnung, was ich mache. Ich hätte jetzt auch zum Beispiel nicht gewusst, wo ich lang gemusst hätte, aber es kommen immer wieder glückliche Begegungen, die Dir dann auch immer genau in dem Moment helfen. Diesen Max, den ich dann zurückgelassen habe, habe ich dann wieder getroffen und er war einer der letzten, der noch in die Herberge reingekommen ist. Max hatte mir übrigens auch Geld geliehen, weil ich kein Geld dabei gehabt. Ich hatte Geld eingeplant, das ich mitnehme, aber das musste ich dann alles in der letzten Woche Arbeiten vorstrecken, das heißt, dass ich das alles wieder kriege. Jedenfalls hatte ich deshalb plötzlich 80 Euro weniger in der Tasche und das ist halt nicht so cool, zumal es in ??? keine Bank gab, deshalb konnte ich mir auch nichts holen, ich hoffe jetzt einfach mal, dass ich da in der nächsten Stadt ein bisschen mehr Erfolg habe, weil, also ich brauch‘ schon Geld.
Demnach ist es eigentlich soweit ganz gut gelaufen, ich bin jetzt auch, ich schätze mal einen guten Kilometer unterwegs. Ich spüre noch nicht viel von meinen Füßen, ich habe eine große Blase, die sich über den ganzen dicken Zeh, links, erstreckt, aber das ist keine typische Belastungsstelle, das heißt, beim normalen Laufen tut mir das überhaupt nicht weh. Ich bin einmal umgeknickt, da ist auch nichts passiert und sonst geht es mir halt auch noch gut.
Ich denke mal, das war es erst mal, denn soviel gibt es jetzt auch nicht zu erzählen…… ja …. waschen hat einigermaßen geklappt, duschen war extrem ekelhaft, aber hey, mir ist dann im Nachhinein eingefallen, dass man da vielleicht auch irgendein Handtuch mit reinnehmen sollte, ich habe mich dann mit irgendeinem T-Shirt abgetrocknet, war auch OK. Naja, shit happens. T-Shirt danach gewaschen, liegt jetzt in diesem komischen Beutel, eigentlich alles easy, keine großartigen Beschwerden. Der Rucksack ist auf die Dauer echt schwer, aber das ist schon mehr als machbar. Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, auch für heute. Vielleicht versuche ich sogar die 5 Kilometer noch dranzuhängen, nach Etappenende, weil heute die soll eigentlich fast nur gerade gehen, und wenn das wirklich so ist, dann ist das auf jeden Fall drin. Also gestern hätte ich das nicht mehr geschafft, da war ich echt froh, dass ich noch den Platz gekriegt hab‘, aber heute mal schauen, bin zuversichtlich – und selbst wenn nicht, bin ich froh zumindest die ersten Etappen mal abgeschlossen zu haben. Es sind ja bekanntlich die ersten die härtesten, demnach alles gut!

(Audio vom 01.05.2018) – Stand gestern bin ich ja gegen 6 am Morgen hinter zwei Italienern (Stirnlampe) her, hab die dann irgendwann abgehängt, also so nach 5 Kilometern wurd’s einigermaßen hell, da bin ich an denen vorbeigezogen und bin eine gute Zeit alleine gelaufen, so sicher an die zwölf Kilometer, und dann hat mich ein junger Mann eingeholt, der Simon aus Chemnitz, mit dem ich im Bus saß, das heißt, ja, wir kannten uns, und ich dachte aber, der wäre schon lange weggezogen, weil der hat vor, das Ganze in dreieinhalb Wochen zu laufen. Ich war gestern morgen schnell unterwegs, hatte echt meine sechs Km/h drauf, der gute Mann auch. Wir sind beide ungefähr gleich schnell gelaufen, das hat super funktioniert. Dann waren wir in Zubiri, eigentlich Etappenziel und ich dacht mir: „joh, es ist viertel vor elf, du bist jetzt von sechs Uhr morgens, knappe 5 Stunden hierhin gelaufen, kann man mal machen, aber es ist viertel vor elf, watt machst du den ganzen Tag?“ Hab‘ ich mir gedacht, juut, schaun wir mal. Der gute Mann ist mit mir weiter gelaufen, und wir hatten eine nette Wanderung soweit, das heißt, ich bin noch ein bisschen mit ihm mit, hat auch erst mal super geklappt, also auch nach Larrasoana sind wir auch noch entspannt durchgekommen.    Irgendwann kam es dann zu einer längeren Pause, weil meine Füße einfach weh taten, also konditionstechnisch ging das schon, meine Füße waren so ??? und demnach haben wir uns kurz hingesetzt und es kam eine kleine streunende Katze vorbei, die ich nicht von meinen Erdnüssen fressen lassen habe, an dieser Stelle. Als ich das Foto gepostet habe, kam natürlich auch der Hinweis über tollwütige Katzen, voller Würmer, den ich daraufhin erwartet hatte. Ich bin ja auch nicht komplett blöd, also so ist das auch nicht. Jedenfalls haben wir da dann einen 67-jährigen aus Berlin getroffen, wir sind ihm schon ein paar Mal über Tag begegnet, also wir sind an ihm oder er an uns vorbeigezogen, und der gute Mann war wohl in seinem Leben begnadeter Marathonläufer, das heißt er ist 45 Marathon gelaufen, 7 mal 75km und 2 mal 100km und den letzten Marathon vor zwei Jahren. Der hatte auch eine gute Geschwindigkeit drauf. So treffen sich die beiden Extremsportler dort auf dem Camino (mein Mitwanderer läuft auch schon mal seine 65 km am Tag), verstehen sich super, weil sie beide so einen sächsischen Akzent haben, also der eine einen berlinerischen und der andere einen höllischen sächsischen, schlimm. Und… ja, das heißt, wir waren dann zu dritt auf einmal und das ging mir dann irgendwann auf den Keks, der ältere Herr erzählt nur von seinen Fahrradtouren, durch Europa und Deutschland, von Wien nach Budapest mit dem Rad und dann hatte er so Probleme wieder nach Hause zu kommen mit der Bahn, keine Ahnung, hat mich sehr genervt, weil ich berlinerisch überhaupt nicht hören kann, da finde ich ja sächsisch noch angenehm gegen. Ich konnte dann viel öfter nicht mehr, das heißt, alle zwei, drei Kilometer haben wir eine Pause gemacht und irgendwann habe ich gesagt: „Jungs, ich komme heute nicht mehr in Pamplona an, das könnt Ihr vielleicht schaffen, aber ich mache das nicht mehr, lasst mich mal hier.“ Das heißt, acht Kilometer vor Pamplona, drei vor dem nächsten Ort, habe ich dann eine Pause gemacht und die beiden sind dann weggezogen. Ich habe mich dann eine gute Viertelstunde dahingesetzt, bisschen was gegessen, was ich noch da hatte, bin dann weiter gelaufen, habe mich dann so ein bisschen nach vorn geschleppt, irgendwo einen Typen getroffen, habe dem dann für 60 Cent eine Mandarine abgekauft und gegessen. Ich saß dann so im Schatten auf einem Stein, da kam der Johann aus Berchtesgaden -Berchtesgaden ist irgendwo in Süddeutschland, oder – dann kommt das hin?- kam vorbei, und ja, der war halt supernett drauf, ich hatte den morgens schon ein paarmal gesehen, wir sind uns am Supermarkt über den Weg gelaufen und auch später habe ich den ein paar Mal überholt, dann habe ich Pause gemacht, hat er mich wieder überholt und so haben wir uns öfter mal gesehen gehabt, wusste bis dahin aber auch noch nicht, dass er Deutscher ist. Und er sagte: „Jo, komm, anderthalb Kilometer bis zum nächsten Ort, ich lauf auch nicht mehr weiter, ab dafür.“ Und dann sind wir also dahin, Villava heißt das hier, eine schöne, also richtig schöne Herberge. Der Typ hat uns erst mal reingewunken und sagte, „jo, er macht Platz, alles gut Jungs“, Stempel und sowas alles gekriegt, weil Du musst Dir nicht die Hauptstempel abholen, es reicht eigentlich, wenn Du Dir überhaupt Stempel abholst.