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3. Etappe Trinidad de Arre / Villava – Muruzabal (Dienstag, 01.05.2018)

(3. Etappe ca. 25 Km Trinidad de Arra / Villava –> Murzabal)

Ich weiß auch nicht, was ich in Pamplona soll, ich glaube der Weg geht an der Kathedrale vorbei, wenn das so ist, dann gucke ich da kurz rein, wenn nicht dann, keine Ahnung mal gucken, vielleicht gehe ich da gar nicht erst hin, schaue mir irgendwo anders die Kathedrale an. Ich habe irgendwie nicht so das Bedürfnis hier überall alles zu sehen, zumal Du am Ende des Tages, wenn Du angekommen bist, meistens eh komplett am Arsch bist, also hast du nicht mehr soviel Lust. Blasentechnisch hält sich das auch alles noch in Grenzen, ist nur ein bisschen – gibt ein paar kritische Stellen, aber es sind noch keine Blasen, bisschen wund, aber alles gut. Jetzt gerade laufe ich alleine, ich habe mir sagen lassen, ich sollte mal später loslaufen, der Johann macht das nämlich, glaube ich, wie ich auch finde, ganz richtig, der geht immer bewusst in ein, zwei Dörfer zwischen den Hauptetappenzielen, weil er eben keinen Bock hat auf das ganze sechs Uhr aufstehen und dann hinrennen und dann so schnell, wie es geht Herberge beziehen und ehrlich gesagt habe ich es auch nicht, ich brauch‘ das nicht und demnach versuch es ihm gleich zu tun, bin jetzt ganz entspannt noch in … irgendeiner Stadt. Schaue jetzt mal, was der Tag bringt. Habe heute morgen mal richtig viel gegessen, ist aber Scheisse, habe das Gefühl ich müsste jeden Moment kotzen, bin es halt nicht gewohnt zu frühstücken. Füße gehen auch noch, habe eine Stelle am linken Fuß, die tut ein bisschen weh, aber sonst ist es gerade so, als würde ich gerade frisch anfangen zu laufen, was ich halt auch tue, aber auch ohne Vorschäden, so. Was  ich immer beeindruckend finde, du schläfst abends ein und kannst nichts mehr, läufst wieder los, und dann ist das alles wieder kein Problem, aber naja. Ich versuche mal heute meine 25 bis 30 abzureißen, kurz vor das nächste Etappenziel zu kommen, oder vielleicht auch bis dahin, ich weiß es noch nicht, auf jeden Fall über Pamplona hinaus. Danach geht es auch wieder bergauf, deshalb weiß ich noch nicht, inwieweit ich da Lust drauf habe, aber ja, so sieht’s erst mal aus, denke ich mal. Essen morgens, ist halt echt nicht meins. Naja, ich geh‘ ganz entspannt hier, alleine natürlich, ich denk‘ mal den Johann treffe ich im Laufe des Tages wieder, der war immer ein klein wenig langsamer, als ich. Ich gehe auch immer noch sehr schnell, habe auch ein bisschen Schmerzen im Knie, weil gestern ging es sehr viel bergab, immer sehr anstrengend. Ich habe halt keinen schönen Stab in St. Jean gefunden und auch sonst noch nicht, ich wollte mir eigentlich mal einen Pilgerstab holen, damit geht bergab laufen auch viel einfacher, also laufe ich bislang noch ganz gut ohne. Da es heute aber weitestgehend bergauf, oder durch Städte geht, denke ich mal nicht, dass ich mit den Knien großartige Probleme haben werde. Also ich denk‘ mal dann 30km, 5 km/h, sechs Stunden, 14:00 Uhr komme ich dann an, sollte eigentlich machbar sein. Vielleicht treff‘ ich wieder Leute, ich hatte einen sehr schönen Abend gestern noch, bin dann mit dem Johann was trinken gegangen, weil wir waren um 3 schon da und haben uns dann in eine Kneipe gesetzt und haben darauf gewartet, dass es endlich Abendessen gibt, weil es wird erst ab halb 8 serviert, bzw. das Pilgermenü wird in den meisten Städten erst ab halb acht serviert, und es ist ganz nett gewesen, der Typ ist superlustig und supernett vor allem, und ja, das ist auch so meine Erfahrung, die ich bisher daraus gezogen habe, eigentlich sind alle Leute  superhilfsbereit und nett, was echt angenehm ist. Ich glaube eigentlich habe ich alles zu gestern gesagt, würde ich sagen. Ich habe auch gestern nicht viele Fotos gemacht, es war eigentlich ein sturer Sprint nach vorne, und ich denke mal….dann lauf ich jetzt erst mal weiter. …

(Audio vom 02.05.2018) Wir fangen aber mal in Villava an, wo ich gestern losgelaufen bin.
Ja, der Johann, mit dem ich da angekommen bin, der ist heut‘ früher los. Also ich hab‘ mal gesagt, gut, ich guck mir mal Deinen Tagesrhythmus an, bin also was später aufgestanden, bin erst um kurz vor acht los, ich glaub‘ das habe ich schon alles gesagt, dann langsam nach Pamplona rein, hab‘ da zwei nette deutsche Damen getroffen, bin an denen vorbei gezogen, bin weiter durch Pamplona durch, in Cizur Menor habe ich dann meine erste Pause gemacht. Das ist, glaube ich, drei Kilometer hinter Pamplona. Dort habe ich nochmal ein bisschen was gegessen. Das Essen von morgens habe ich nicht alles bei mir behalten, ich bin einfach nicht gewohnt morgens zu essen, aber war auch nicht  so schlimm, also …. mein Gott. Und von da aus bin ich dann immer eine Stadt weiter … Pause …. eine Stadt weiter …. Pause…. Ich war immer mal wieder kurz davor: OK, jetzt höre ich auf. Und dann habe ich mich hingesetzt, was gegessen und dann gedacht … OK, eigentlich kannst Du doch noch weitergehen, so bin ich weiter gegangen. Das habe ich dann gemacht, bis ich in der Stadt war, kurz bevor es dann über den Berg geht. Ich weiß leider nicht mehr, wo das war, und dann habe ich in den Reiseführer geguckt, und der hat gesagt, hey, Du kommst in einer dreiviertel Stunde da hoch, Du läufst in etwa zwei Stunden bergab. Dann hab‘ ich gedacht: „gut, dreiviertel Stunde da hoch, können wir uns noch mal angucken.“ Nächste Stadt ist zwar fünf Kilometer entfernt, naja, bin ich da hoch gegangen, war auch ganz entspannt, oben Megaaussicht (ich glaub‘ Fotos habe ich schon geschickt). Also supergeil und bergab war auch völlig OK. Problem ist halt, dass du also eigentlich, man soll ja unter anderem, es wird ja auch empfohlen, den Kopf mal frei zu kriegen beim Laufen, also beim bergab Laufen musst du halt ständig aufpassen, wo du hintrittst, weil du sonst sofort auf der Fresse liegst, das ist halt nicht so geil. Gestern, also sowohl bergauf als auch bergab, wirklich schöne große, runde Steine, teilweise so 5 Zentimeter Durchmesser, teilweise nur so kieselmäßig, das heißt, wenn du einmal auf irgendwas Lockeres drauf trittst, rutschst du erst mal drei Meter runter, demnach habe ich versucht, mir so gut es geht da den Kopf frei zu machen und bin dann da runter gelaufen, hab‘ dann die erste Stadt erreicht. Dann wußte ich, dass dann eine Stadt in zwei Kilometern kommt und danach eine Stadt in zwei Kilometern, bin dann weiter zur nächsten uuund das war dann Muruzábal, oder wie die heißt. Da habe ich dann in der einzigen Herberge, die es gibt gefragt, alles voll reserviert. Habe ich gedacht: „gut, gehe ich weiter, habe mich ein bisschen hingesetzt auf die Treppen, bisschen was gegessen, bisschen was getrunken, und dann kam die Frau raus und meinte: „jo, eigentlich kann ich Dir auch ein Feldbett unten in den Aufenthaltsraum stellen, dann kannst Du da pennen.“ Ich sagte: „Klar, gerne, nehme ich sofort!“ Feldbett war auch in dem Fall so etwas, wie die Oma hat, also Oma M. im Büro, so ein aufklappbares Bett mit komplettem Lattenrost, kompletter Matratze drauf, supergeil. Dann ist aber eine Reservierung nicht gekommen, dann habe ich quasi das Bett von der gekriegt. Die Betten waren, so geil das Haus war, richtig (sch…) mies. [lacht] Also ich hätte lieber, glaube ich, in dem Aufenthaltsraum geschlafen. Zumal da mein Ikea-Schlafsofa drin steht, also als normales Sofa, das heißt, dass ich mich da nachmittags einfach drauf gelegt habe und echt das Gefühl hatte, ich käme so von der Arbeit nach Hause, also richtig geil [lacht]. Naja, gut, hab‘ dann da genächtigt, Abendessen war auch OK, paar Deutsche getroffen, die beiden deutschen Damen sind zwei Stunden nach mir eingetroffen, die ich in Pamplona getroffen habe. Ich habe unterwegs noch mal den Johann getroffen, der vor mir los war, der hatte wohl oben auf dem Berg ’ne dreiviertel Stunde Pause gemacht, ich hab‘ da nur fünf, sechs Minuten gewartet, bin dann wieder sofort bergab und hab‘ da irgendwo Pause gemacht, dann ist er an mir vorbei. Der Mann ist noch bis nach Puente la Reina gelaufen, noch mal 10 Km weiter als ich und hat halt gesagt, er würde irgendwann Pause machen, vielleicht sieht man sich dann mal wieder. So ein Tag Pause einfach mal. Wir müssten mal gucken…ne… Vielleicht auch heute, keine Ahnung, ich weiß, dass er immer was später los geht. Ich bin sehr früh los, also heute. Halb sieben war ich unterwegs. Bin ja auch ganz alleine, bis jetzt, ähm, und ja, schau’n wir mal, wo wir rauskommen. Genau, ich habe noch ein großes Problem beim Abstieg gehabt, jetzt mal abgesehen von Knie und Fußschmerzen, also Knieschmerzen jetzt nicht im heftigen Sinne, aber Abstieg ist schon anstrengend für die Knie, und zwar, wenn ich versuche abzuschalten, dann laufen in meinem Kopf Lieder, also, das kann alles mögliche sein, also es ist wirklich komplett gestört. Manchmal Richtung englischem RAP, was ich eigentlich viel höre, so Eminem oder Joyna Lucas oder sowas, Linkin Park habe ich teilweise laut gesungen, weil ich das einfach nicht aus dem Kopf kriegen konnte und es kann auch so ganz gestörter Scheiss sein, also ich weiß ich leb‘ in Köln, also steinigt mich von mir aus dafür, dieses Halleluja Karnevalslied, ich weiß nicht von wem das ist, habe ich auf einmal im Kopf gehabt, das habe ich die ganze Zeit nicht raus gekriegt, also richtiger Scheiss halt. VBT (Battle Rap Turnier, bei dem man gegeneinander antritt) also das habe ich auch vor Ewigkeiten gehört, das Zeug. Also alles mögliche, was hatte ich heute morgen drin, also das war auch richtig gestört, ich weiß nicht, ob das auf irgendeiner Kindersendung oder so was war, das geistert dann so in meinem Kopf rum und ich kriege es sehr schwer da raus. Also wenn ich so in diesem Zwischending bin zwischen abschalten, also wenn ich abschalte und laufe, dann laufe ich Leute um, da kann zwei Meter vor mir jemand gehen, ich seh‘ den nicht. Ich habe das in Köln mal gemacht, ja, sehr unverantwortlich, und da gucke ich einfach nur straight nach vorne und geh‘ geradeaus, und gut, manchmal habe ich dann auch geguckt, ob auch ein Auto kommt, oder sowas, wenn dann ’ne Querstraße kommt, aber ja, so, dann kriege ich eigentlich gar nichts mehr mit. Und das kriege ich glaube ich erst hin, wenn es weniger anspruchsvoll wird, also hier die Strecken. Wobei gerade ist es angenehm zu laufen. Soweit muss ich mich wohl noch mit meinem eigenen Radio in meinem Köpfchen rumschlagen, aber gut, es gibt Schlimmeres.