Willkommen auf unserer Homepage!

7. Etappe Navarrete – Azofra (05.05.2018)

So, ein neuer Tag, ich bin gerade los, es ist kurz nach acht, ich habe mir sehr viel Zeit gelassen, weil ich heute um eins in Santo Domingo de la Calzada sein möchte. Ich gehe danach wahrscheinlich noch was weiter, aber um eins ist da wohl die Messe, das ist die komische Kirche mit den Hühnern, und da kommst du sonst nicht rein. Ich wollte mir das mal angucken, und da habe ich mir gedacht: „gut, sind nur 15 Kilometer, da kann ich sehr spät losgehen, weil 15 Kilometer, da brauche ich drei Stunden für und ich hab‘ fünf.“ Demnach ist das superentspannt. 

Gestern war ich um viertel nach sieben unterwegs. Bin tatsächlich fast durch gelaufen, also ich habe ein kurze Pause vor Nájera gemacht, da habe ich versucht mein Brot zu essen, war aber echt superekelhaft, ich hatte so eine Fleischwurst gekauft, die mich an die Mortadella mit so Pistaziendingern drin erinnerte -habe ich  gedacht- waren Oliven und das ist halt durch das ganze Brot durchgezogen und das hat megaabartig geschmeckt, zumal die Fleischwurst auch ohne Oliven nicht besonders lecker war. So bin ich sehr hart durchgesprintet, gestern, war dann um zwölf schon in Azofra. Ich hatte noch eine Pause kurz nach Nájera gemacht, und ich hatte in Nájera den Markus -ich weiß nicht, ob ich den namentlich schon mal erwähnt hatte- meinen kleinen authistischen Freund getroffen, der wollte gestern schon nach Santo Domingo, weil da abends wohl auch ’ne Messe ist und den habe ich dann da überholt gehabt, der hatte nämlich eine längere Pause in Nájera gemacht und später ist er dann noch mal an mir vorbei, als ich in Azofra im Schatten saß, ne, du gehst jetzt nicht mehr weiter, hast du keine Lust drauf, du bist gestern schon zehn Kilometer mehr gelaufen, als du eigentlich wolltest, muss nicht sein. Also bin ich dann da geblieben. Die Herberge hat erst um halb eins aufgemacht, das heißt ich habe mich vorher noch mit einer älteren amerikanischen Dame und ihrem Enkel hingesetzt. Der Junge hat tatsächlich für das Laufen des Camino frei bekommen, dafür muss er in den Sommerferien Mathetutorium machen – nur Mathe, nichts anderes. Der hat einfach fünf Wochen frei gekriegt. Ja, und du verbesserst ja auch deine Spanischskills und dies und das, das wird schon voll gut sein. Und ich dachte mir eh alter, mach das mal in Deutschland, gehst du mal zum Kronenberg und sachst so, ich möchte gern den Jakobsweg laufen, kann ich so lange frei haben? [lacht] Machst du aber auch nur einmal. Fand ich superwitzig. Die waren ganz nett, man hat sich dann so ein bisschen verloren, zuerst kam noch ein älterer Ami dazu, der dann später bei mir im Zimmer gepennt hat. Waren nur Zweierzimmer, war ganz geil. Hat auch superruhig geschlafen, als der hat so eine Sauerstoffmaske gehabt, die er halt auf hatte, hat immer ein bisschen gesummt, aber war OK. Dann habe ich mich erst mal hingesetzt und so ein/zwei Stündchen ein bisschen Musik gehört, bisschen geduscht, bisschen mal geguckt, war kurz einkaufen. Da habe ich einen Amerikaner, der aber zur hälfte Deutsch und zur hälfte Irisch ist getroffen und eine nette Dame aus Lettland, die wohnt in Riga und hat mir auch sofort angeboten, falls ich jemals Bock hätte nach Riga zu fahren, weil sie so gefragt hatte, irgendwann, ob ich schon mal im Osten war, wollte sie mir vorher Bescheid sagen und ich könnte bei ihr pennen, sie hätte ein Gästezimmer. Und ich habe sofort gesagt, ja geil, mal gucken, wenn ich Urlaub krieg‘ vielleicht. Wir haben Kontaktdaten und so ausgetauscht, supernett, alles. Mit den beiden saß ich dann den ganzen Tag da, weil die beiden auch schon um viertel vor eins da waren, die haben zu zweit zwei Flaschen Wein getrunken, muss wohl hier einen guten Rioja geben, kostet vier Euro, die hat das so genossen, also die hat das richtig genossen, und der Typ so -war ja auch teuer, ne- ja was hat der denn gekostet, ja vier Euro, ich mein‘ es kommt von hier, demnach ist es auch wahrscheinlich dementsprechend billig. Die haben dann zu zweit ihre zwei Flaschen weggehauen, dann kamen noch zwei Leute, die wir schon kannten, die nochmal drei Flaschen dabei hatten, die die auch alle gekillt haben – und zwar alles komplett auch leeren Magen, es gab so ein bisschen was an Snacks dabei und der Typ war wohl auch jemand, der gerne mal 50 Kilometer läuft, aber auch kein Problem damit hat mal langsam 20 zu gehen. Wir hatten superviel Spaß und er hat sie dann irgendwann dazu überredet gekriegt mit ihm dann heute 40 Kilometer zu laufen. Okay, dachte ich mir, das wird lustig, wenn die beiden das laufen, dann bin ich auch dabei.

Ja mal gucken, ich laufe jetzt erst einmal nach Santo Domingo und dann wollte ich eigentlich zwei Orte noch gehen. So 10 Kilometer, ich denke nicht, dass ich die komplette Etappe noch hinten dran hängen werde, aber mal sehen, das bleibt abzuwarten. Ich glaube zwei Etappen weiter ist auch schon Burgos, also geht voran, geht voran. 

Naja, jedenfalls war die Dame irgendwann ziemlich voll. Die war halt leicht dicht und hat halt nichts gegessen. Ich war dann am Ende mit ihr Abendessen und es war halt auch megawitzig. Die war halt richtig angetrunken, wir haben so ein Pilgermenü ganz klassisch gegessen und sie hat auch angeblich kaum Hunger gehabt. Die Vorspeise, einen Eintopf hat sie gegessen, das war es dann. Ich bin echt gespannt, ob ich die beiden heute noch mal wieder sehe, denn ich bin sehr spät los, aber die beiden sind halt sehr langsam und ich laufe relativ schnell, und dann schauen wir mal, wie es denen hier so geht, weil die waren echt superwitzig. So saß ich echt von halb eins bis halb zehn mit den Leuten draußen, entspannte neun Stunden und hatte einen ganz netten Tag. Sonne war da, war schon schön. Das war dann so gestern, waren ja auch nur 23 Kilometer, nicht so viel. Mal schauen, wie es heute wird, mal gucken. Ich sehe schon fleißig Leute am Reben stutzen und kontrollieren, Reben noch nicht, aber Weinstöcke, ja, es ist schön, die Sonne scheint, ich denke ich werde gleich zum ersten Mal meine Jacke ausziehen, bin bis jetzt immer mit Jacke gelaufen, muss dann, denke ich mal, auch mal die Sonnencreme rausholen, und dann schauen wir mal.