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14. Etappe Carrión de los Condes – Sahagún (12.05.2018)

(Audio vom ) Ok, ist mal wieder Zeit, zwei Tage, und zwar von Carrión de los irgendwas Pandas, oder so, keine Ahnung, irgendwas automäßiges (Condes) bis nach Sahagún, das waren wohl 38, ja, war ganz lustig, der Tag. Wir sind um fünf los, weil wir einmal nachts gehen wollten, denn man hat uns gesagt, dass man sich hier besser die Sterne, als die Gegend anguckt, weil die Gegend hier ziemlich langweilig ist und so war es auch. Leider gab es Wolken, so dass man des nachts nichts gesehen hat. Egal, als wir um neun Uhr in die erste, 17 Kilometer entfernte Stadt gekommen sind -davor kam einfach mal nichts-, haben wir erst mal eine entspannte Pause gemacht. Dann ging es echt wieder ziemlich gut, nach den ersten siebzehn Kilometern wollten wir uns schon eine Herberge suchen, können wir hier mal pennen. Wir waren echt ne dreiviertel Stunde in irgendeinem Café, haben in der Sonne gesessen, Tortilla gegessen, mir einen Kaffee getrunken, und dann sind wir weiter, ja, die nächste Stadt war dann sechs Kilometer weg, haben wir ne kurze Pause gemacht, die nächsten waren jeweils drei auseinander, eine haben wir überlaufen, dann haben wir bei der nächsten ne kurze Pause gemacht, und bei der danach ne kurze Pause gemacht, und dann sind wir schon bei -nach Adam Riese und Eva Klein- bei dreißig/zweiundreißig Kilometern, und es ging immer noch ganz gut. Und dann haben wir uns gedacht, gut, die letzten acht Kilometer packen wir auch noch eben. Die gingen dann wider Erwarten sogar extrem schnell rum, also so ist es nicht. Habe mir so ein bisschen ’nen Wolf gelaufen, also das heißt, den Rest des Abends lag ich einfach nur noch im Bett rum, bzw. wir waren um drei da, also relativ früh für 40 Kilometer und habe mich gar nicht mehr bewegt, einmal noch kurz essen gewesen und das war es dann. Ja, das war dann Sahagún. Das Albergue war ganz cool, das waren glaube ich so 50 Betten oder so, davon waren vielleicht fünfzehn belegt, anscheinend laufen wir gerade so ein bisschen neben der Hauptzeit, denn heute Nacht war in meiner Herberge auch nicht viel los, da waren auch so 50 Betten. Der Tag war eigentlich nur Laufen; habe dann ein bisschen mit Lennart geschrieben, das war ganz witzig, ja, das war es dann.

Am nächsten Morgen habe ich dann relativ lange gepennt. Wir sind erst um kurz vor sieben los, heute übrigens auch, es ist schon halb acht, ich bin gerade erst los, aber ist auch nicht so weit. Und auch ganz entspannt gestartet, haben dann leider – es gibt da zwei Wege – den wahrscheinlich etwas anstrengenderen genommen, mit einer Stadt auf 24 Kilometern, das heißt wieder acht Kilometer zu der Stadt, danach 18 einfach im Nichts, mitten im Nirgendwo, ich glaube es war Calzadilla de los Hermanillos, oder so, die Stadt, wo wir drüber gelaufen sind, von Sahagún aus nach Reliegos. Das lief weitestgehend ereignislos, ich bin wieder mit der Trine gelaufen, zumindest bis Calzadilla de los Hermanillos, danach habe ich sie ein wenig zurück gelassen und habe dann immer so alle fünf/sechs Kilometer Pause gemacht und gewartet, weil sie eine ziemlich üble Blase von den vierzig Kilometern hatte, und ein bisschen erkältet und angeschlagen war. Und so laufen wir jetzt erst mal wieder getrennt und treffen uns danach dann erst mal wieder. Die ist auch jetzt schon wieder eine halbe Stunde früher weg, ich hatte heute wieder keine Lust früh aufzustehen, bzw. ich habe gestern nachmittag drei Stunden geschlafen, dann und hatte eine sehr lustige Unterhaltung mit Severin und, danach hatte die Hauptunterhaltung nicht mehr geantwortet und dachte naja, ich gehe pennen. Halb drei schon gepennt, habe zum Abendessen ein bisschen Nudeln gegessen, selbst gemachte, mit Linsensuppe als Sauce -ja, mit Linsensuppe, war aber sehr lecker, ein Teller hat mir gereicht. Und heute Nacht habe ich zum ersten Mal gemerkt, also im Stehen sieht man es nicht, aber wenn ich liege, habe ich fast gar keinen Bauch mehr. Also ich nehme schon ein bisschen ab, ich glaube das wird auch noch was mehr, wenn ich dann erst mal angekommen bin, weil vergleichsweise muss man schon sagen, dass ich relativ wenig esse. Ich will mein Handy jetzt nicht zu lange provozieren, weil es ein bisschen regnet, also es nieselt, aber die Regentropfen schließen hie und da die App, die zum Glück im Hintergrund weiter recorded und für das Handy ist es wahrscheinlich auch nicht ideal, es ist nicht viel Regen, aber ein bisschen und das muss ja nicht sein, also heute geht es nach León, um sieben los, 25 Kilometer, sind wir um 12 da, dann guck ich jetzt auch mal, dass ich mich ein bisschen ausruhe, werde wahrscheinlich die eine oder andere Postkarte schreiben. Natürlich Kathedrale angucken, vielleicht Pilgermesse am Abend, das kommt drauf an, wie ich lustig bin, wenn ich nachher wieder so kaputt bin, schlaf‘ ich wahrscheinlich erst mal wieder zwei Stunden, das ist wie gesagt Tagesform abhängig. Und das war es jetzt eigentlich auch.

9. Etappe Belorado – Agès (07.05.2018)

(Audio vom 08.05.2018)  So, da ist es schon wieder Zeit. Ja, ich weiß gar nicht welchen Tag wir haben, ich glaube wir haben Dienstag, dann müssen wir den neunten haben – oder? – Ja. Keine Ahnung. Ich bin seit gut kurz nach sechs unterwegs, es ist jetzt gerade neun. Ich komme gerade aus einer netten kleinen Bar, habe mir ein Frühstück, aus Ermangelung eines Supermarktes gestern, da konnte ich mir leider wenig kaufen, bzw. gar nichts, außer zwei Orangen, habe ich mir gerade ein Stückchen Tortilla, dat ist so Ei und Kartoffeln mit einem Glas Bananen-Erdbeer halt so ein bisschen, keine Ahnung, da war noch irgendwas anderes, ja Saft, halt, gegönnt. War sehr geil, ich hatte bis dahin auch echt Hunger, weil wir hier schon Villava -da waren wir schon mal, aber es heißt so ähnlich Villambistia . Wir sind glaube ich schon so sieben, acht Kilometer gelaufen zu dem Zeitpunkt, auf leeren Magen ist nicht so gut und so haben wir jetzt auch was gegessen. Es sind noch 14 Kilometer bis Burgos, in drei Stunden plane ich da zu sein, das ist dann halb zwölf, sollte machbar sein. Danach werde ich vermutlich eine Stadt weiter gehen. Also ich werde mir die Kirchen angucken, mal eben im Reiseführer gucken, was man sich sonst alles noch so anschauen soll und da auch mal vorbei gehen und mich dann so spätestens um drei mich auf den Weg machen noch zwei Kilometer weiter zu gehen. Aber das sollte kein Problem sein. [Hundegebell im Hintergrund] – Oh, hier sind lauter Hunde.

Gestern bin ich sehr spät los, habe ich aber auch in der gestrigen Aufnahme schon gesagt, demnach ist das alles sehr entspannt verlaufen, sagen wir es mal so, bin auch am Anfang super durchgekommen, anstrengend wurde es dann bis nach San Juan, da sind es elf Kilometer nichts, bzw. erst einen steilen Berg rauf, dann sehr steil runter, dann [lacht] sehr steil wieder auf und dann halt nur noch so ein bisschen bergab, was aber auch echt scheiße war, weil du durch so eine Brandschneise läufst, das heißt, dass da null Schatten ist, also da sind Wälder rechts und links neben dir, aber die werfen halt keinen Schatten, weil das Ding so breit ist und in der Nähe der Bäume du nicht gehen kannst, weil du dich übel hinlegen würdest, wegen des ganzen Gestrüpps und so, was da wuchert. Also der zweite Teil war nicht so cool, also es gab in der Mitte so eine Oase, also so nannte sich das. Das war ganz cool, so nach sechs Kilometern durch diese Schneise, also die ersten Kilometer waren ja noch mit Bergen, und dann bist Du so ein/zwei Kilometer auf dieser Scheise und dann merkst du halt, so nach der Hälfte soll was kommen und dann siehst du das und das sieht halt megacool aus. Es ist halt richtig putzig eingerichtet, so, da hängen überall Hängematten in den Wäldern drin, da lag auch einer drin. Ich denke mal zur Not kann man da auch pennen. Da lagen auch ein/zwei Matratzen und ganz viele direkt aus dem Baum geklöppelte Bänke und Tische und sowas, also einfach nur in der Mitte durchgesägt und lackiert und so kleine geschnitzte Totems, und Schilder in alle Herren Länder, ich glaube ich habe wenig Fotos gemacht, vielleicht sogar gar keins. Ich habe generell eigentlich fast komplett aufgehört Fotos zu machen, ich lauf irgendwie nur noch. Naja, ich versuch mal nochmal dran zu denken, mal gucken. So war ich dann in San Juan und hat mir einfach nicht gefallen da, also die Kapelle sah ganz cool aus, aber ich hab‘ dann da auch keine Lust gehabt da noch großartig rein zu gehen, habe da nur eine Herberge gesehen, und davor saßen so viele Menschen und ich wollte sowieso noch eine weiter, mindestens, da habe ich mir gedacht, gut dann läufst du hier durch nach Agès. Das hat doch noch länger gedauert, als ich eigentlich gewollt hatte, ich dachte, das wären nur zwei Kilometer gewesen, waren aber doch drei oder vier, gefühlt, zumal ich auf dem Weg noch ’ne Pause gemacht hatte. Bin dann dort ziemlich kaputt angekommen, waren dann ja auch wieder 27 fast 28, irgendwie sowas, war ’ne Ecke halt, aber ja, hab‘ ich ja so geplant, damit ich heute weniger nach Burgos laufen muss, bisschen schneller da bin. Ja und ich glaub das war auch soweit ganz gut, ich glaub‘ in fünf sechs Kilometern beginnt schon die Stadt. Ich will nicht sagen, wir sind schon fast da, aber hey. Ansonsten gestern: das Essen war übel gut, das hat mich echt ein bisschen beeindruckt. Also ich hatte mal einen gemischten Salat und der war auch -bisschenSpargel war da drin, Möhrchen, Thunfisch, Tomaten, grüner Salat natürlich, ich glaub das war es schon, nicht spektakulär, aber sehr lecker. Dann hatte ich Lamm und das war richtig geil, das war echt -wenn ich das für den Preis in Deutschland kriege, dann bin ich echt uiuiui, kann man mal machen. Also drei Gänge, zehn Euro, das ist eigentlich immer so. Also ich weiß nicht, der Horst hat ja gesagt, das wär‘ alles superbillig hier, Herberge für drei, vier Euro und so, das habe ich hier nicht gesehen, die meisten Herberge sind so zwischen – also das billigste, was ich hatte war sechs, die teuerste war zehn – also zwischen sechs und zehn sind die alle. Es gibt welche in die kommst du gegen eine Spende rein, aber die sind eigentlich immer sofort voll und sollen auch nicht so gut sein. Essen habe ich auch bis jetzt immer für zehn, ich glaube das teuerste war dreizehn Euro bezahlt, aber das ist dann auch drei Gänge, mal besser, mal schlechter, man wird meistens satt. Aber das gestern, das war echt richtig schönes zartes, leckeres Lammfleisch, richtig lecker gewürzt, also die Sauce war echt sehr gut und dabei halt mal Kartoffeln, du hast halt immer Pommes, immer, jeden Abend. Also das ist keine große Portion, wenn du das in einem deutschen Restaurant kriegst, keine Ahnung, die hast du schon auf, bevor der Keller wieder vom Tisch weg ist, das sind nur vier/fünf Stück, ne, aber es ist trotzdem jeden Abend dasselbe. Immer, wenn ich die Wahl habe, versuche ich irgendwas anderes zu nehmen zum Beispiel Reis als Vorspeise oder so was, habe ich einmal gehabt, war sehr geil. Keine Ahnung, mit dem Essen weiß ich noch nicht, wie ich da meinen Weg finde, hier. Frühstücken ist immer noch nicht so meins, ich ess‘ nicht gerne früh, sonst würg‘ ich mir immer zwei/drei Müsliriegel morgens rein, was dann erst mal so ein bisschen Energie gibt, für die ersten paar Kilometer. Heute habe ich aber insgesamt nur vier oder fünf dabei, die will ich über den Tag essen, weil man muss ja auch irgendwie ankommen. Eigentlich habe ich immer Bananen mit, habe ich aber jetzt wieder keine gefunden, also ich habe jetzt gestern schon Orangen mitgehabt, und Orangen esse ich eigentlich gar nicht mal gerne, weil die mir, wenn ich die in Deutschland habe viel zu bitter sind, ich muss aber sagen, dass die hier richtig schö saftig und süss sind, superlecker. Die machen dich natürlich nicht so satt, ist ja nur Wasser, aber gut Zucker [lacht], für einen kurzen Moment bist Du dann wieder gut dabei. Sieht vom Wetter her heute auch noch ein bisschen besser aus, also gestern war pure Sonne, das knallt total, aber da bin ich auch echt spät los, also selber schuld. Bislang -gut, wir haben erst halb neun-, aber es sieht auch aus als ist es relativ bewölkt, zumindest bedeckt, was ich sehr schön finde, weil es schon echt sehr warm wird, wenn die Sonne draußen ist. Ich werd auch überlegen, ob ich zwischen Burgos und Leon, die Landschaft wird ziemlich langweilig sein, alles flach, halb Wüste gefühlt sein und viele Leute haben mir das jetzt schon gesagt, dass Sie das machen, und ich habe mir gedacht, dass das eigentlich keine schlechte Idee ist, um zwei oder um drei aufstehen und einfach mal nachts laufen, weil da ist ja nichts an Städten und so, und du sollst einen sehr schönen Blick auf den Nachthimmel haben. Wenn du dann von der Landschaft sowieso nichts verpasst, ist das was, was ich mir auch vorstellen könnte. Wo ich mir denke, yo, vielleicht machst du das einfach mal, ein/zwei Tage, gehst du einfach los, bist um 10 Uhr morgens da, legst dich irgendwo hin, schläfst noch ein/zwei Stündchen dann gehst du ins Albergue und machst dir einen entspannten Tag. Das bleibt dann abzuwarten, wie ich das händeln werde, weil ich keine Lust habe diese Hochebene, wo null Schatten ist in der knallenden Sonne zu laufen. Sehen wir dann, heute erst mal Burgos, vielleicht eine Stadt danach.

 

8. Etappe Azofra – Belorado (06.05.2018)

(Audio vom 07.05.2018) So, ein weiterer Tag. Ja, ich bin heute mal was später los, also halb neun. Es ist bislang gar nicht so schlecht, weil ich mir heute mal wieder gedacht habe, ok, heute kommt mal wieder ne kurze Etappe, kannst du auch mal was länger liegen bleiben, demnach alles gut, bin natürlich ziemlich alleine, weil alle anderen sind schon weg. Aber ja – gestern:

Wir haben vorgestern in Azofra ja zusammengesessen und sind anscheinend zu dem Schluss gekommen, dass wir heute nach Belorado laufen, mit der Gruppe von Menschen, von denen ich auch ein Foto habe, das kann ich aber aktuell nicht runterladen. Ich habe mir gesagt OK, macht mal, bin ja erst um 8 los im Gegensatz zu den anderen, bin in Santo Domingo noch in die Kathedrale rein, also ich habe vorher noch mal einen Deutschen getroffen, einen anderen Markus, nicht den Authistenmarkus. Der andere Markus kommt aus Köln, war ganz korrekt, aber die sind nur bis Santo Domingo gelaufen, so bin ich fünf Kilometer mit denen gegangen, dann waren die auch schon fertig und da war noch eine sehr nette Dänin dabei, die auch ein bisschen Deutsch konnte. Dann bin ich in die Kathedrale rein, habe mir das alles angeguckt, die Hühnchen haben gekräht, ja gut, kein Glück für mich [?], bin dann erst mal einen Ort weiter, glaube ich, vielleicht auch zwei, ich weiß es nicht, habe da entspannt Pause gemacht, hab‘ mir gedacht, OK, der nächste ist zwei Kilometer weg, vielleicht nimmst du den auch noch mit. Und dann habe ich das tschechische Mädel, das ich von Azofra kannte, dass vierzig Kilometer laufen wollte dort getroffen. Sie machte auch Pause und ich dachte, na gut, meine Füße tun eigentlich noch gar nicht weh, ich komme einfach mal mit Dir mit, mal gucken, wie weit wir es bringen. Wir sind dann gelaufen. Auf dem Weg waren sehr viele kleine Städte, so dass wir alle zwei bis vier Kilometer ’ne kleine Pause gemacht haben, also oft. Haben uns ein bisschen in den Schatten gesetzt, was getrunken, was gegessen und superentspannt, also wirklich richtig entspannt durchgelaufen. So acht Kilometer vor Schluss war es dann bei mir so, dass ich so langsam nicht mehr so immens viel Bock habe, und ich auch zufrieden wäre, wenn es jetzt bald mal vorbei wäre. Dann sind wir noch dreieinhalb Kilometer in die nächste Stadt gelaufen. Das war auch keine richtige Stadt sondern eigentlich nur drei Häuser, aber da gab es ’ne Bar, da haben wir uns reingesetzt, ein bisschen was gegessen, also nur so einen kleinen Nachtisch, weil die Küche leider zu hatte. Wir wollten eigentlich mehr haben, aber gut, da machst du nichts. War like – war like – ich habe sehr viel Englisch gesprochen in den letzten Tagen – ich kriege übrigens von fast allen Leuten, mit denen ich Englisch spreche Komplimente, warum oder woher ich so gut Englisch reden kann und wo ich das denn gelernt hätte, das ist eigentlich ganz cool, ja. Ich weiß, dass ich nicht ganz schlecht englisch rede, aber jetzt weiß ich das auch von mehreren dritten. – Wir saßen dann da, und die Prämisse war eigentlich – yo, wenn wir hier eine Tortilla kriegen, dann rennen wir noch weiter, die fünf Kilometer, bis wir in Belorado dann sind, unser eigentliches Ziel – und – die gab’s dann nicht. Da haben wir uns dann was anderes gegönnt, und wir sagten uns, jetzt haben wir uns schon was gegönnt, dann können wir doch eigentlich auch zu Ende laufen. [OK, ich muss hier gerade ein bisschen gucken, die Wegführung ist ein wenig chaotisch.]  Und dann sind wir halt auch zu Ende gelaufen, waren dann ungefähr um sechs in Belorado. Oh, das war auch richtig geil, die letzten fünf Kilometer gehen komplett an der Hauptstraße entlang und am Anfang war das noch so megaweired, also es war übel komisch, aber irgendwann hast du dann gemerkt, die Leute, die da lang fahren hupen und winken dir. Und das ist halt nicht so vereinzelt, sondern ich glaube -gut in Konvois machen das weniger Leute, weil sie halt nicht die anderen Fahrer verwirren wollen- aber insgesamt, würde ich schon sagen, jeder vierte Wagen hupt und winkt. Also wenn die sehen, dass du noch so spät unterwegs bist, also es war so kurz vor sechs, die wünschen dir dann wirklich Glück und sagen yo, geil, dass Ihr noch lauft, und so. Gerade so die LKWs, da hast du dann so eine übelste Tröte, die haben mich am Anfang auch echt erschreckt, aber am Ende war es halt echt megacool, weil wir haben dann auch immer zurückgewunken zu den Autos und das war ganz nice, das war echt schön. Es hat dann echt nicht mehr ewig gedauert, bis wir in Belorado waren, es waren ja nur fünf Kilometer von da aus, wir haben auch direkt die erste Herberge genommen. Richtig schöne Herberge, die Betten richtig gut, also es waren richtige Matrazen und nicht nur so komische Sch…teile, die ich sonst hatte. Das waren richtig gute und Betten bezogen mit Stoff und nicht Plastik, sonst sind es meistens so abwaschbare Plastikdinger und da musst du dann selbst noch so einen Papierüberzug drüber ziehen und diese nun megabequem. Und da haben wir halt schon gefeiert als wir an der Rezeption standen, weil er meinte, Zimmer acht Bett eins und zwei, super, Bett eins zwei in Zimmer acht ist noch keiner. Und dann hast Du da tatsächlich ein Zimmer mit 18 Betten und wir waren die letzten, die gekommen sind. Das heißt, wir hatten das zu zweit komplett alleine und das war richtig cool, weil du konntest – die Herberge war sehr billig, das waren nur sechs Euro – aber du konntest für acht Euro quasi einen Extraraum buchen, wo weniger Leute drin pennen, und wir haben dann auch Leute getroffen. Also den Dan oder Daniel, von dem ich den Namen gestern nicht wusste, der wollte in irgend’ner Kirche schlafen, dass heißt, als ich in die Stadt bin, um mir was Geld zu holen, da habe ich den getroffen, da bin ich an dieser Kirche vorbei und habe gefragt, ehy, wo ist der? Die haben mir dann sofort gesagt, dass er in der Messe sei. Da war er nicht, aber er war in der Nähe da. Ich bin ihm dann auch sofort über den Weg gelaufen, meganett, also er hat sich megagefreut, dass wir es geschafft haben, überhaupt. Er meinte, ja, die Line ist auch da -Line ist ein Mädel, ich weiß nicht, ob ich da bereits drüber erzählt habe, die war jedenfalls vorgestern ziemlich betrunken, ich war abends noch mit der essen, weil kein anderer mehr wollte, megawitzig- und die war dann tatsächlich auch bei uns in der Herberge. Ich habe sie erst sehr sehr spät getroffen, aber war halt ganz cool die Leute noch mal wieder zu sehen. Die waren auch schon was früher da, haben aber auch keine Pause in Santo Domingo gemacht. Demnach hatte ich auch noch einen ganz netten Abend. Ich habe dann mit dem tschechischen Mädchen zu Abend – was heißt Mädchen, die ist über dreißig, also ’ne Frau – habe ich dann da zu Abend gegessen. War ganz gut auch, also der komische Rumäne war noch dabei, der kein Englisch spricht, oder kaum, der auch am Abend davor da war. Essen war nicht schlecht, war auch nicht besonders gut, aber mein Gott, ich bin satt gewesen. es war gar nicht so schlimm die fast 40 jetzt zu laufen, meine Füße tun jetzt auch noch nicht weh, bzw. nicht mehr, das heißt ich plane schon heute an die 22 bis 26, also entweder laufe ich nach San Juan oder ich laufe eins weiter, damit ich nach Burgos nicht 27 Kilometer laufen muss, sondern 20 oder so und dann schneller da bin und mir ein bisschen mehr dort angucken kann, weil Burgos soll wohl echt sehenswert sein. Ich werde dann auch durch Burgos wahrscheinlich laufen, also Burgos mir angucken und dann zum Schlafen eine Stadt weiter gehen, aber ja, das bleibt noch abzuwarten, Burgos ist noch eine gute Ecke weit weg. [Wo ist jetzt der Sch…pfeil-äh-ah-ja-OK] Jetzt erst mal gucken, wie weit ich komme, wenn ich heute nur 20 weit komme, mein Gott, dann mache ich halt noch einen Stop vor Burgos, oder ich laufe wirklich 30 nach Burgos rein und bleib‘ da, mal gucken, eigentlich sollten 25 kein Problem sein. Juut, ich denke mal, das wär’s jetzt erst mal, viel mehr gibt es gerade nicht mehr zu erzählen.

7. Etappe Navarrete – Azofra (05.05.2018)

So, ein neuer Tag, ich bin gerade los, es ist kurz nach acht, ich habe mir sehr viel Zeit gelassen, weil ich heute um eins in Santo Domingo de la Calzada sein möchte. Ich gehe danach wahrscheinlich noch was weiter, aber um eins ist da wohl die Messe, das ist die komische Kirche mit den Hühnern, und da kommst du sonst nicht rein. Ich wollte mir das mal angucken, und da habe ich mir gedacht: „gut, sind nur 15 Kilometer, da kann ich sehr spät losgehen, weil 15 Kilometer, da brauche ich drei Stunden für und ich hab‘ fünf.“ Demnach ist das superentspannt. 

Gestern war ich um viertel nach sieben unterwegs. Bin tatsächlich fast durch gelaufen, also ich habe ein kurze Pause vor Nájera gemacht, da habe ich versucht mein Brot zu essen, war aber echt superekelhaft, ich hatte so eine Fleischwurst gekauft, die mich an die Mortadella mit so Pistaziendingern drin erinnerte -habe ich  gedacht- waren Oliven und das ist halt durch das ganze Brot durchgezogen und das hat megaabartig geschmeckt, zumal die Fleischwurst auch ohne Oliven nicht besonders lecker war. So bin ich sehr hart durchgesprintet, gestern, war dann um zwölf schon in Azofra. Ich hatte noch eine Pause kurz nach Nájera gemacht, und ich hatte in Nájera den Markus -ich weiß nicht, ob ich den namentlich schon mal erwähnt hatte- meinen kleinen authistischen Freund getroffen, der wollte gestern schon nach Santo Domingo, weil da abends wohl auch ’ne Messe ist und den habe ich dann da überholt gehabt, der hatte nämlich eine längere Pause in Nájera gemacht und später ist er dann noch mal an mir vorbei, als ich in Azofra im Schatten saß, ne, du gehst jetzt nicht mehr weiter, hast du keine Lust drauf, du bist gestern schon zehn Kilometer mehr gelaufen, als du eigentlich wolltest, muss nicht sein. Also bin ich dann da geblieben. Die Herberge hat erst um halb eins aufgemacht, das heißt ich habe mich vorher noch mit einer älteren amerikanischen Dame und ihrem Enkel hingesetzt. Der Junge hat tatsächlich für das Laufen des Camino frei bekommen, dafür muss er in den Sommerferien Mathetutorium machen – nur Mathe, nichts anderes. Der hat einfach fünf Wochen frei gekriegt. Ja, und du verbesserst ja auch deine Spanischskills und dies und das, das wird schon voll gut sein. Und ich dachte mir eh alter, mach das mal in Deutschland, gehst du mal zum Kronenberg und sachst so, ich möchte gern den Jakobsweg laufen, kann ich so lange frei haben? [lacht] Machst du aber auch nur einmal. Fand ich superwitzig. Die waren ganz nett, man hat sich dann so ein bisschen verloren, zuerst kam noch ein älterer Ami dazu, der dann später bei mir im Zimmer gepennt hat. Waren nur Zweierzimmer, war ganz geil. Hat auch superruhig geschlafen, als der hat so eine Sauerstoffmaske gehabt, die er halt auf hatte, hat immer ein bisschen gesummt, aber war OK. Dann habe ich mich erst mal hingesetzt und so ein/zwei Stündchen ein bisschen Musik gehört, bisschen geduscht, bisschen mal geguckt, war kurz einkaufen. Da habe ich einen Amerikaner, der aber zur hälfte Deutsch und zur hälfte Irisch ist getroffen und eine nette Dame aus Lettland, die wohnt in Riga und hat mir auch sofort angeboten, falls ich jemals Bock hätte nach Riga zu fahren, weil sie so gefragt hatte, irgendwann, ob ich schon mal im Osten war, wollte sie mir vorher Bescheid sagen und ich könnte bei ihr pennen, sie hätte ein Gästezimmer. Und ich habe sofort gesagt, ja geil, mal gucken, wenn ich Urlaub krieg‘ vielleicht. Wir haben Kontaktdaten und so ausgetauscht, supernett, alles. Mit den beiden saß ich dann den ganzen Tag da, weil die beiden auch schon um viertel vor eins da waren, die haben zu zweit zwei Flaschen Wein getrunken, muss wohl hier einen guten Rioja geben, kostet vier Euro, die hat das so genossen, also die hat das richtig genossen, und der Typ so -war ja auch teuer, ne- ja was hat der denn gekostet, ja vier Euro, ich mein‘ es kommt von hier, demnach ist es auch wahrscheinlich dementsprechend billig. Die haben dann zu zweit ihre zwei Flaschen weggehauen, dann kamen noch zwei Leute, die wir schon kannten, die nochmal drei Flaschen dabei hatten, die die auch alle gekillt haben – und zwar alles komplett auch leeren Magen, es gab so ein bisschen was an Snacks dabei und der Typ war wohl auch jemand, der gerne mal 50 Kilometer läuft, aber auch kein Problem damit hat mal langsam 20 zu gehen. Wir hatten superviel Spaß und er hat sie dann irgendwann dazu überredet gekriegt mit ihm dann heute 40 Kilometer zu laufen. Okay, dachte ich mir, das wird lustig, wenn die beiden das laufen, dann bin ich auch dabei.

Ja mal gucken, ich laufe jetzt erst einmal nach Santo Domingo und dann wollte ich eigentlich zwei Orte noch gehen. So 10 Kilometer, ich denke nicht, dass ich die komplette Etappe noch hinten dran hängen werde, aber mal sehen, das bleibt abzuwarten. Ich glaube zwei Etappen weiter ist auch schon Burgos, also geht voran, geht voran. 

Naja, jedenfalls war die Dame irgendwann ziemlich voll. Die war halt leicht dicht und hat halt nichts gegessen. Ich war dann am Ende mit ihr Abendessen und es war halt auch megawitzig. Die war halt richtig angetrunken, wir haben so ein Pilgermenü ganz klassisch gegessen und sie hat auch angeblich kaum Hunger gehabt. Die Vorspeise, einen Eintopf hat sie gegessen, das war es dann. Ich bin echt gespannt, ob ich die beiden heute noch mal wieder sehe, denn ich bin sehr spät los, aber die beiden sind halt sehr langsam und ich laufe relativ schnell, und dann schauen wir mal, wie es denen hier so geht, weil die waren echt superwitzig. So saß ich echt von halb eins bis halb zehn mit den Leuten draußen, entspannte neun Stunden und hatte einen ganz netten Tag. Sonne war da, war schon schön. Das war dann so gestern, waren ja auch nur 23 Kilometer, nicht so viel. Mal schauen, wie es heute wird, mal gucken. Ich sehe schon fleißig Leute am Reben stutzen und kontrollieren, Reben noch nicht, aber Weinstöcke, ja, es ist schön, die Sonne scheint, ich denke ich werde gleich zum ersten Mal meine Jacke ausziehen, bin bis jetzt immer mit Jacke gelaufen, muss dann, denke ich mal, auch mal die Sonnencreme rausholen, und dann schauen wir mal.

6. Etappe Sansol – Navarrete (04.05.2018)

(Audio vom 05.05.2018)
Gestern, wo bin ich losgelaufen – Sansol, Sansol. Wunderbar, bin ich los gelaufen, ja, war entspannt. Dementsprechen, ja, ich weiß nicht, um eins oder so war ich in Logrono. Logrono ist tatsächlich ziemlich groß, und bis ich da angekommen bin, ist auch nichts passiert. Ach doch drei Deutsche, die ich am Ende der zweiten Etappe getroffen habe, habe ich auf dem Weg wiedergetroffen. Sehr nett, war sehr witzig, weil die eigentlich dachten, ich wäre gefühlt schon kurz vor Santiago, haben uns kurz unterhalten, bin denen aber dann auch weggelaufen, weil ich einfach schneller laufe, als die allermeisten. Durch Logrono bin ich halt durchgelaufen, an den ersten paar Herbergen vorbei, weil ich eigentlich immer gerne Herbergen am Ortsausgang nehme, bin dann unterwegs in die Kirchen rein, zumindest in die zwei, die am Weg waren und habe dann irgendwann gemerkt, anscheinend sind alle Herbergen am Ortseingang. Und dann habe ich überlegt, gehst du jetzt weider zurück? – Logrono ist eine große Stadt, es ist schon ein guter Kilometer, den du da durch rennst. Abgesehen davon kaum ausgeschildert und große Straßen, also wirklich ein wenig verwirrend. Da läuft an mir so ein Typ vorbei und ich dachte mir nun gut, der sieht schon ziemlich deutsch aus, fragt mich nicht warum, aber man erkennt das schon. Ich sach so „Hallo“, er „Hola“ und geht weiter. Ich sitze da noch ganz entspannt, futtere mir noch ne Banane und einen Müsliriegel und dann bin ich aufgestanden und hinter ihm her. Hola, qué tal, dies und das, englisch und so und irgendwann meinte er, wo käme ich denn her, ja – Deutschland. Ja, er auch. Wieso reden wir dann englisch? Keine Ahnung, ich habe ja eben schon Hallo gesagt, aber das hast du anscheinend nicht mitgekriegt. Er so, jo korrekt, dies und das, ich bin der Markus. Das war der Markus dann. Mit dem war es ein bisschen anstrengend, aber es war superwitzig, weil ich persönlich glaube, dass er ganz leichte authistische Züge hat.Er hat mich sehr stark, also von dem was und wie er es erzählt hat, an einen Herren S.A. erinnert. Er hat so ein bisschen von sich und seiner Schulzeit erzählt. Hat sich in der elften Klasse mit den Lehrern angelegt, und mit Anwälten gedroht und wunderte sich, dass ihn alle gehasst haben. Er hat mir auch noch ein bisschen von der Arbeit erzählt, er ist Problemmanager bei O2 und was er für Leute kennengelernt hat und sowas, also gaaanz gaaanz viel gelabert, da habe ich noch so ein bisschen mit ihm diskutiert, über mein aktuelles Lieblingsthema, Antisemitismus im Deutschrap, war auch ziemlich witzig, weil wir zum Glück sogar einigermaßen ähnlicher Meinung sind, ähm, aber – ja – es war auch anstrengend, weil er ist halt eben dann – so sehr – reitet auf kleinen Dingen rum, kleine Fehler und weiß halt alles so eine Ecke besser. Wir haben dann eine Herberge gesucht in Navarrete, als wir da angekommen sind. Wir haben uns so aufgeteilt und irgendwann habe ich ihn nicht mehr wiedergefunden, wir hatten gesagt, wir treffen uns dann hier wieder, und er war weg. Dann habe ich ihn echt ne Viertelstunde lang gesucht und von wegen so, und wo isser denn? Der kann doch nicht weg sein. Der Junge ist dann einfach in die Herberge, die er gefunden hat rein und hat mich dann irgendwie vergessen, ich weiß es nicht. Ich habe die dann irgendwann auch gefunden, ich habe sofort seinen Stock da im Schirmständer stehen sehen, dachte mir auch sofort, alles klar, dafür gar nichts, da auch noch ein Bett gekriegt, ganz entspannt. Abends bin ich dann alleine essen gewesen, weil er auch meinte um vier oder fünf Abendessen zu gehen und ich denk mir so, wir sind seit einer halben Stunde hier, ich will da erst mal ein bisschen ausruhen, duschen, dies und das. Das heißt, ich saß da mit drei Neuseeländerinnen am Tisch, die alle so zwischen 50 und 60 waren, würde ich mal sagen. Die eine von denen hatte wohl am nächsten Tag Geburtstag. Die haben sich drei Monate Zeit genommen, um nach Santiago zu kommen, das heißt die laufen jeden Tag 10 bis 15 Kilometer. Sie kamen also aus Logrono nach Navarrete. [stutzt] Wo bin ich hier, wo muss ich lang? – Ich denke mal immer der Nase nach. An dieser Stelle mal vielen Dank, dass ich das nicht alles selber schreiben muss, bzw. dass das nicht unzensiert hochgeladen wird, das wäre zwar ziemlich witzig, aber irgendwie auch nicht. Genau, mit den drei Damen habe ich mich nett unterhalten, haben viel erzählt, waren sehr begeistert von den Kirchen hier, weil es in Neuseeland wohl keine alten Kirchen gibt, was irgendwo relativ klar ist, das stimmt schon -ah gelber Pfeil, das ist gut- und, das war dann so gestern eigentlich. Abends gab es da noch so ein Flamenco Festival. Fing um 10 an und um 10 macht die Herberge zu, hat man also nicht mitgekriegt, aber hey, als ob ich mich dafür interessier‘.
Bin jetzt seit viertel nach sieben wieder auf dem Weg, gerade aus Navarrete raus und habe gar nicht geguckt, wo ich heute ankommen möchte und werde. Also ich weiß, dass ich auf jeden Fall nach Najeda laufe, das sind so um die 20, schätze ich mal, aber ich weiß noch nicht, ob ich weiter gehe, oder ob es das dann ist. Also, ja mal sehen….

5. Etappe Estella-Lizarra – Sansol 03.05.2018

(Audio vom 04.05.2018)
Gestern bin ich dann von da aus auch einfach losgelaufen, das war ein bisschen anstrengender, wobei ich hab‘ wesentlich später erst Pausen gemacht. [atmet schwerer] Boah, es geht grade bergauf, das ist anstrengend. Hab da auch überall hin und wieder mal Päuschen gemacht, gab kaum Städte auf dem Weg. Es ging über einen Bergkamm drüber, ich glaub‘ ich bin gestern durch zwei Städte gelaufen, ging auch ziemlich gut bis Los Arcos, so, da war ich dann schon ein bisschen fertig, aber ich habe mir gedacht, morgen stehen 30 auf dem Plan, bevor ich heute noch mal 27 gehe, lauf ich noch mal 7 und hab heute einfach nur 20. [schnauft] puuh, geht schon steil den Berg hoch. Das Gute war auch, dass man die Zielstadt, also Sansol, schon gesehen hat von Los Arcos aus, so dass man wusste worauf man hin arbeitet und demnach war das völlig OK. Hostel war auch supernice, 20 Betten , einigermaßen gutes Abendessen, bisschen ausserhalb, so bin ich nicht mehr in die Stadt rein, weil es gestern so arschwindig war, unglaublich, teilweise echt richtig gefroren. [schnauft weiter] Boah, bin ich denn langsam mal oben – Alter – diese Städte auf Hügeln, das ist echt ne Qual. Du rennst echt innerhalb der Stadt ’ne Wand hoch, und danach wieder runter. Bin jetzt gerade in Torres de was weiß ich, also kurz nach Sansol und mal schauen, wo es heute hingeht. Ich denke das war es erst mal, jetzt ist mir gerade eine bisschen zu anstrengend.

(Audio vom 05.05.2018)
So, ein neuer Tag bricht an, mit viel Wind anscheinend. Aber er bricht an. Ich habe gerade die Herberge verlassen, es ist, oh, viertel nach sieben, doch später, als ich erwartet habe.

4. Etappe Muruzábal – Estella-Lizarra (02.05.2018)

(Audio vom 02.05.2018) Ich werde jetzt einmal losgehen, gerade habe ich noch ein sehr gutes Gefühl bin aber auch erst so ein Kilometer unterwegs. Mal schauen wo wir rauskommen heute, würde gerne 27 schaffen, bis kurz nach „nächstes großes Etappenziel“, da gibt es drei Kilometer, oder ein Kilometer weiter ’ne Stadt. Da würde ich gerne hin. Das nächste Etappenziel ist von Obanos aus 24 km weg, Obanos, da bin ich jetzt gleich, das ist zwei Kilometer entfernt von Muruzábal, und ja, hinter dem Etappenziel ist irgendeine kleine Stadt, und die würde ich gerne ansteuern, sofern meine Füße das aushalten, bislang sieht es aber gar nicht so schlecht aus. Also, wie gesagt, ich habe erst anderthalb Kilometer weg….also …. in diesem Sinne….ab dafür.
(Audio vom 04.05.2018)
So, aufgrund grauenhafter Windverhältnisse gestern, ist das Memo da ausgefallen, weil ich echt den Eindruck hatte, dass man am Ende kein Wort versteht. Deshalb haben wir jetzt vorgestern und gestern noch. – Wo bin ich vorgestern gestartet? In Muruzábal, genau, das war nach der kurzen Etappe, nach der ewig langen Etappe. Das heißt, ich war relativ ausgeruht, mir ging es echt gar nicht so schlecht. Ich bin erst mal nach Puente la Reina glaufen, hab‘ dann da ein bisschen was gegessen, Frühstück gemacht und bin dann immer durchgelaufen in die nächste Stadt, kurz hingesetzt, ein bisschen was gegessen und hab‘ das so weiter gemacht, bis Villatuerta, da habe ich dann eine längere Pause gemacht, mehr gegessen. Danach habe ich mich die letzten drei Kilometer noch irgendwie nach Estella-Lizarra, keine Ahnung, geschleppt, das war dann echt anstrengend, also dann habe ich auch die erste richtige Blase gehabt, am Ende, das ist aber jetzt abgetaped und abgeklebt, hat gestern nicht Mucken gemacht, macht heute auch noch keine Mucken, wobei ich heute aber auch erst seit vier Minuten unterwegs bin. Ja, war in einer schönen Herberge, Sechs-Bett-Zimmer, mit ’nem Deutschen, Kölner, der war so naja, habe schon nettere Leute gekannt. Da war ein Ire, den hatte ich kurz nach Puente la Reina gesehen und mit dem geredet, und also irischer Akzent ist ja schon mal lustig, dazu kommt Nuscheln und Stottern, du hast den Typen nicht verstanden, das war so unglaublich, auf der einen Seite krass witzig, auf der anderen Seite megaanstrengend, weil ich musste mich ja ne Viertelstunde auf dem Weg mit ihm unterhalten, aber gut. Ja, ich war relativ früh da, also kurz vor zwei. Der Tag an sich war ziemlich langweilig, ich bin später noch was durch die Stadt gelaufen, aber auch nicht großartig Sachen angeguckt. Da habe ich auch in den meisten Fällen auch überhaupt keine Lust mehr zu. Ja, das war dann vorgestern.

3. Etappe Trinidad de Arre / Villava – Muruzabal (Dienstag, 01.05.2018)

(3. Etappe ca. 25 Km Trinidad de Arra / Villava –> Murzabal)

Ich weiß auch nicht, was ich in Pamplona soll, ich glaube der Weg geht an der Kathedrale vorbei, wenn das so ist, dann gucke ich da kurz rein, wenn nicht dann, keine Ahnung mal gucken, vielleicht gehe ich da gar nicht erst hin, schaue mir irgendwo anders die Kathedrale an. Ich habe irgendwie nicht so das Bedürfnis hier überall alles zu sehen, zumal Du am Ende des Tages, wenn Du angekommen bist, meistens eh komplett am Arsch bist, also hast du nicht mehr soviel Lust. Blasentechnisch hält sich das auch alles noch in Grenzen, ist nur ein bisschen – gibt ein paar kritische Stellen, aber es sind noch keine Blasen, bisschen wund, aber alles gut. Jetzt gerade laufe ich alleine, ich habe mir sagen lassen, ich sollte mal später loslaufen, der Johann macht das nämlich, glaube ich, wie ich auch finde, ganz richtig, der geht immer bewusst in ein, zwei Dörfer zwischen den Hauptetappenzielen, weil er eben keinen Bock hat auf das ganze sechs Uhr aufstehen und dann hinrennen und dann so schnell, wie es geht Herberge beziehen und ehrlich gesagt habe ich es auch nicht, ich brauch‘ das nicht und demnach versuch es ihm gleich zu tun, bin jetzt ganz entspannt noch in … irgendeiner Stadt. Schaue jetzt mal, was der Tag bringt. Habe heute morgen mal richtig viel gegessen, ist aber Scheisse, habe das Gefühl ich müsste jeden Moment kotzen, bin es halt nicht gewohnt zu frühstücken. Füße gehen auch noch, habe eine Stelle am linken Fuß, die tut ein bisschen weh, aber sonst ist es gerade so, als würde ich gerade frisch anfangen zu laufen, was ich halt auch tue, aber auch ohne Vorschäden, so. Was  ich immer beeindruckend finde, du schläfst abends ein und kannst nichts mehr, läufst wieder los, und dann ist das alles wieder kein Problem, aber naja. Ich versuche mal heute meine 25 bis 30 abzureißen, kurz vor das nächste Etappenziel zu kommen, oder vielleicht auch bis dahin, ich weiß es noch nicht, auf jeden Fall über Pamplona hinaus. Danach geht es auch wieder bergauf, deshalb weiß ich noch nicht, inwieweit ich da Lust drauf habe, aber ja, so sieht’s erst mal aus, denke ich mal. Essen morgens, ist halt echt nicht meins. Naja, ich geh‘ ganz entspannt hier, alleine natürlich, ich denk‘ mal den Johann treffe ich im Laufe des Tages wieder, der war immer ein klein wenig langsamer, als ich. Ich gehe auch immer noch sehr schnell, habe auch ein bisschen Schmerzen im Knie, weil gestern ging es sehr viel bergab, immer sehr anstrengend. Ich habe halt keinen schönen Stab in St. Jean gefunden und auch sonst noch nicht, ich wollte mir eigentlich mal einen Pilgerstab holen, damit geht bergab laufen auch viel einfacher, also laufe ich bislang noch ganz gut ohne. Da es heute aber weitestgehend bergauf, oder durch Städte geht, denke ich mal nicht, dass ich mit den Knien großartige Probleme haben werde. Also ich denk‘ mal dann 30km, 5 km/h, sechs Stunden, 14:00 Uhr komme ich dann an, sollte eigentlich machbar sein. Vielleicht treff‘ ich wieder Leute, ich hatte einen sehr schönen Abend gestern noch, bin dann mit dem Johann was trinken gegangen, weil wir waren um 3 schon da und haben uns dann in eine Kneipe gesetzt und haben darauf gewartet, dass es endlich Abendessen gibt, weil es wird erst ab halb 8 serviert, bzw. das Pilgermenü wird in den meisten Städten erst ab halb acht serviert, und es ist ganz nett gewesen, der Typ ist superlustig und supernett vor allem, und ja, das ist auch so meine Erfahrung, die ich bisher daraus gezogen habe, eigentlich sind alle Leute  superhilfsbereit und nett, was echt angenehm ist. Ich glaube eigentlich habe ich alles zu gestern gesagt, würde ich sagen. Ich habe auch gestern nicht viele Fotos gemacht, es war eigentlich ein sturer Sprint nach vorne, und ich denke mal….dann lauf ich jetzt erst mal weiter. …

(Audio vom 02.05.2018) Wir fangen aber mal in Villava an, wo ich gestern losgelaufen bin.
Ja, der Johann, mit dem ich da angekommen bin, der ist heut‘ früher los. Also ich hab‘ mal gesagt, gut, ich guck mir mal Deinen Tagesrhythmus an, bin also was später aufgestanden, bin erst um kurz vor acht los, ich glaub‘ das habe ich schon alles gesagt, dann langsam nach Pamplona rein, hab‘ da zwei nette deutsche Damen getroffen, bin an denen vorbei gezogen, bin weiter durch Pamplona durch, in Cizur Menor habe ich dann meine erste Pause gemacht. Das ist, glaube ich, drei Kilometer hinter Pamplona. Dort habe ich nochmal ein bisschen was gegessen. Das Essen von morgens habe ich nicht alles bei mir behalten, ich bin einfach nicht gewohnt morgens zu essen, aber war auch nicht  so schlimm, also …. mein Gott. Und von da aus bin ich dann immer eine Stadt weiter … Pause …. eine Stadt weiter …. Pause…. Ich war immer mal wieder kurz davor: OK, jetzt höre ich auf. Und dann habe ich mich hingesetzt, was gegessen und dann gedacht … OK, eigentlich kannst Du doch noch weitergehen, so bin ich weiter gegangen. Das habe ich dann gemacht, bis ich in der Stadt war, kurz bevor es dann über den Berg geht. Ich weiß leider nicht mehr, wo das war, und dann habe ich in den Reiseführer geguckt, und der hat gesagt, hey, Du kommst in einer dreiviertel Stunde da hoch, Du läufst in etwa zwei Stunden bergab. Dann hab‘ ich gedacht: „gut, dreiviertel Stunde da hoch, können wir uns noch mal angucken.“ Nächste Stadt ist zwar fünf Kilometer entfernt, naja, bin ich da hoch gegangen, war auch ganz entspannt, oben Megaaussicht (ich glaub‘ Fotos habe ich schon geschickt). Also supergeil und bergab war auch völlig OK. Problem ist halt, dass du also eigentlich, man soll ja unter anderem, es wird ja auch empfohlen, den Kopf mal frei zu kriegen beim Laufen, also beim bergab Laufen musst du halt ständig aufpassen, wo du hintrittst, weil du sonst sofort auf der Fresse liegst, das ist halt nicht so geil. Gestern, also sowohl bergauf als auch bergab, wirklich schöne große, runde Steine, teilweise so 5 Zentimeter Durchmesser, teilweise nur so kieselmäßig, das heißt, wenn du einmal auf irgendwas Lockeres drauf trittst, rutschst du erst mal drei Meter runter, demnach habe ich versucht, mir so gut es geht da den Kopf frei zu machen und bin dann da runter gelaufen, hab‘ dann die erste Stadt erreicht. Dann wußte ich, dass dann eine Stadt in zwei Kilometern kommt und danach eine Stadt in zwei Kilometern, bin dann weiter zur nächsten uuund das war dann Muruzábal, oder wie die heißt. Da habe ich dann in der einzigen Herberge, die es gibt gefragt, alles voll reserviert. Habe ich gedacht: „gut, gehe ich weiter, habe mich ein bisschen hingesetzt auf die Treppen, bisschen was gegessen, bisschen was getrunken, und dann kam die Frau raus und meinte: „jo, eigentlich kann ich Dir auch ein Feldbett unten in den Aufenthaltsraum stellen, dann kannst Du da pennen.“ Ich sagte: „Klar, gerne, nehme ich sofort!“ Feldbett war auch in dem Fall so etwas, wie die Oma hat, also Oma M. im Büro, so ein aufklappbares Bett mit komplettem Lattenrost, kompletter Matratze drauf, supergeil. Dann ist aber eine Reservierung nicht gekommen, dann habe ich quasi das Bett von der gekriegt. Die Betten waren, so geil das Haus war, richtig (sch…) mies. [lacht] Also ich hätte lieber, glaube ich, in dem Aufenthaltsraum geschlafen. Zumal da mein Ikea-Schlafsofa drin steht, also als normales Sofa, das heißt, dass ich mich da nachmittags einfach drauf gelegt habe und echt das Gefühl hatte, ich käme so von der Arbeit nach Hause, also richtig geil [lacht]. Naja, gut, hab‘ dann da genächtigt, Abendessen war auch OK, paar Deutsche getroffen, die beiden deutschen Damen sind zwei Stunden nach mir eingetroffen, die ich in Pamplona getroffen habe. Ich habe unterwegs noch mal den Johann getroffen, der vor mir los war, der hatte wohl oben auf dem Berg ’ne dreiviertel Stunde Pause gemacht, ich hab‘ da nur fünf, sechs Minuten gewartet, bin dann wieder sofort bergab und hab‘ da irgendwo Pause gemacht, dann ist er an mir vorbei. Der Mann ist noch bis nach Puente la Reina gelaufen, noch mal 10 Km weiter als ich und hat halt gesagt, er würde irgendwann Pause machen, vielleicht sieht man sich dann mal wieder. So ein Tag Pause einfach mal. Wir müssten mal gucken…ne… Vielleicht auch heute, keine Ahnung, ich weiß, dass er immer was später los geht. Ich bin sehr früh los, also heute. Halb sieben war ich unterwegs. Bin ja auch ganz alleine, bis jetzt, ähm, und ja, schau’n wir mal, wo wir rauskommen. Genau, ich habe noch ein großes Problem beim Abstieg gehabt, jetzt mal abgesehen von Knie und Fußschmerzen, also Knieschmerzen jetzt nicht im heftigen Sinne, aber Abstieg ist schon anstrengend für die Knie, und zwar, wenn ich versuche abzuschalten, dann laufen in meinem Kopf Lieder, also, das kann alles mögliche sein, also es ist wirklich komplett gestört. Manchmal Richtung englischem RAP, was ich eigentlich viel höre, so Eminem oder Joyna Lucas oder sowas, Linkin Park habe ich teilweise laut gesungen, weil ich das einfach nicht aus dem Kopf kriegen konnte und es kann auch so ganz gestörter Scheiss sein, also ich weiß ich leb‘ in Köln, also steinigt mich von mir aus dafür, dieses Halleluja Karnevalslied, ich weiß nicht von wem das ist, habe ich auf einmal im Kopf gehabt, das habe ich die ganze Zeit nicht raus gekriegt, also richtiger Scheiss halt. VBT (Battle Rap Turnier, bei dem man gegeneinander antritt) also das habe ich auch vor Ewigkeiten gehört, das Zeug. Also alles mögliche, was hatte ich heute morgen drin, also das war auch richtig gestört, ich weiß nicht, ob das auf irgendeiner Kindersendung oder so was war, das geistert dann so in meinem Kopf rum und ich kriege es sehr schwer da raus. Also wenn ich so in diesem Zwischending bin zwischen abschalten, also wenn ich abschalte und laufe, dann laufe ich Leute um, da kann zwei Meter vor mir jemand gehen, ich seh‘ den nicht. Ich habe das in Köln mal gemacht, ja, sehr unverantwortlich, und da gucke ich einfach nur straight nach vorne und geh‘ geradeaus, und gut, manchmal habe ich dann auch geguckt, ob auch ein Auto kommt, oder sowas, wenn dann ’ne Querstraße kommt, aber ja, so, dann kriege ich eigentlich gar nichts mehr mit. Und das kriege ich glaube ich erst hin, wenn es weniger anspruchsvoll wird, also hier die Strecken. Wobei gerade ist es angenehm zu laufen. Soweit muss ich mich wohl noch mit meinem eigenen Radio in meinem Köpfchen rumschlagen, aber gut, es gibt Schlimmeres.

2. Etappe Roncesvalles – Trinidad de Arre / Villava (Montag, 30.04.2018)

(2. Etappe ca. 37 km – Roncevalles –> Trinidad de Arre / Villava (30.04.2018)) Heute morgen wollte ich eigentlich mit Stefan laufen, aber der hat gesagt, er hätte sich jetzt einen Platz in der nächsten Herberge reserviert, ich wusste nicht, dass man das kann, finde es auch irgendwie unfair, und deshalb wollte er nicht mehr so früh los, was mich ziemlich ärgerte, weil ich seit fünf wach war und nur auf ihn gewartet habe. Nun ja, seit 5 wach ist jetzt nicht so schlimm, weil ich auch vor neun geschlafen habe, es waren trotzdem gute sieben Stunden Schlaf. Und schnarchen…. Direkt neben mir hat ein Pilger geschnarcht, es war der einzige in unserem Raum, der geschnarcht hat, aber der hat so laut geschnarcht, dass er zwischendurch selber davon wach geworden ist. Das heißt, er wurde immer lauter und irgendwann schreckte er hoch und dann wurde es wieder leiser – und das hielt an. Das war irgendwann nicht mehr lustig.
Jetzt gerade ist es noch dunkel, man sieht so gut wie nichts. Vor mir laufen zwei Herren, von denen einer zum Glück eine Stirnlampe auf hat, das heißt ich kann mir so ein bisschen denken, wo ich hintrete und wo es hingeht. Das ist es halt, ich habe oft keine Ahnung, was ich mache. Ich hätte jetzt auch zum Beispiel nicht gewusst, wo ich lang gemusst hätte, aber es kommen immer wieder glückliche Begegungen, die Dir dann auch immer genau in dem Moment helfen. Diesen Max, den ich dann zurückgelassen habe, habe ich dann wieder getroffen und er war einer der letzten, der noch in die Herberge reingekommen ist. Max hatte mir übrigens auch Geld geliehen, weil ich kein Geld dabei gehabt. Ich hatte Geld eingeplant, das ich mitnehme, aber das musste ich dann alles in der letzten Woche Arbeiten vorstrecken, das heißt, dass ich das alles wieder kriege. Jedenfalls hatte ich deshalb plötzlich 80 Euro weniger in der Tasche und das ist halt nicht so cool, zumal es in ??? keine Bank gab, deshalb konnte ich mir auch nichts holen, ich hoffe jetzt einfach mal, dass ich da in der nächsten Stadt ein bisschen mehr Erfolg habe, weil, also ich brauch‘ schon Geld.
Demnach ist es eigentlich soweit ganz gut gelaufen, ich bin jetzt auch, ich schätze mal einen guten Kilometer unterwegs. Ich spüre noch nicht viel von meinen Füßen, ich habe eine große Blase, die sich über den ganzen dicken Zeh, links, erstreckt, aber das ist keine typische Belastungsstelle, das heißt, beim normalen Laufen tut mir das überhaupt nicht weh. Ich bin einmal umgeknickt, da ist auch nichts passiert und sonst geht es mir halt auch noch gut.
Ich denke mal, das war es erst mal, denn soviel gibt es jetzt auch nicht zu erzählen…… ja …. waschen hat einigermaßen geklappt, duschen war extrem ekelhaft, aber hey, mir ist dann im Nachhinein eingefallen, dass man da vielleicht auch irgendein Handtuch mit reinnehmen sollte, ich habe mich dann mit irgendeinem T-Shirt abgetrocknet, war auch OK. Naja, shit happens. T-Shirt danach gewaschen, liegt jetzt in diesem komischen Beutel, eigentlich alles easy, keine großartigen Beschwerden. Der Rucksack ist auf die Dauer echt schwer, aber das ist schon mehr als machbar. Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, auch für heute. Vielleicht versuche ich sogar die 5 Kilometer noch dranzuhängen, nach Etappenende, weil heute die soll eigentlich fast nur gerade gehen, und wenn das wirklich so ist, dann ist das auf jeden Fall drin. Also gestern hätte ich das nicht mehr geschafft, da war ich echt froh, dass ich noch den Platz gekriegt hab‘, aber heute mal schauen, bin zuversichtlich – und selbst wenn nicht, bin ich froh zumindest die ersten Etappen mal abgeschlossen zu haben. Es sind ja bekanntlich die ersten die härtesten, demnach alles gut!

(Audio vom 01.05.2018) – Stand gestern bin ich ja gegen 6 am Morgen hinter zwei Italienern (Stirnlampe) her, hab die dann irgendwann abgehängt, also so nach 5 Kilometern wurd’s einigermaßen hell, da bin ich an denen vorbeigezogen und bin eine gute Zeit alleine gelaufen, so sicher an die zwölf Kilometer, und dann hat mich ein junger Mann eingeholt, der Simon aus Chemnitz, mit dem ich im Bus saß, das heißt, ja, wir kannten uns, und ich dachte aber, der wäre schon lange weggezogen, weil der hat vor, das Ganze in dreieinhalb Wochen zu laufen. Ich war gestern morgen schnell unterwegs, hatte echt meine sechs Km/h drauf, der gute Mann auch. Wir sind beide ungefähr gleich schnell gelaufen, das hat super funktioniert. Dann waren wir in Zubiri, eigentlich Etappenziel und ich dacht mir: „joh, es ist viertel vor elf, du bist jetzt von sechs Uhr morgens, knappe 5 Stunden hierhin gelaufen, kann man mal machen, aber es ist viertel vor elf, watt machst du den ganzen Tag?“ Hab‘ ich mir gedacht, juut, schaun wir mal. Der gute Mann ist mit mir weiter gelaufen, und wir hatten eine nette Wanderung soweit, das heißt, ich bin noch ein bisschen mit ihm mit, hat auch erst mal super geklappt, also auch nach Larrasoana sind wir auch noch entspannt durchgekommen.    Irgendwann kam es dann zu einer längeren Pause, weil meine Füße einfach weh taten, also konditionstechnisch ging das schon, meine Füße waren so ??? und demnach haben wir uns kurz hingesetzt und es kam eine kleine streunende Katze vorbei, die ich nicht von meinen Erdnüssen fressen lassen habe, an dieser Stelle. Als ich das Foto gepostet habe, kam natürlich auch der Hinweis über tollwütige Katzen, voller Würmer, den ich daraufhin erwartet hatte. Ich bin ja auch nicht komplett blöd, also so ist das auch nicht. Jedenfalls haben wir da dann einen 67-jährigen aus Berlin getroffen, wir sind ihm schon ein paar Mal über Tag begegnet, also wir sind an ihm oder er an uns vorbeigezogen, und der gute Mann war wohl in seinem Leben begnadeter Marathonläufer, das heißt er ist 45 Marathon gelaufen, 7 mal 75km und 2 mal 100km und den letzten Marathon vor zwei Jahren. Der hatte auch eine gute Geschwindigkeit drauf. So treffen sich die beiden Extremsportler dort auf dem Camino (mein Mitwanderer läuft auch schon mal seine 65 km am Tag), verstehen sich super, weil sie beide so einen sächsischen Akzent haben, also der eine einen berlinerischen und der andere einen höllischen sächsischen, schlimm. Und… ja, das heißt, wir waren dann zu dritt auf einmal und das ging mir dann irgendwann auf den Keks, der ältere Herr erzählt nur von seinen Fahrradtouren, durch Europa und Deutschland, von Wien nach Budapest mit dem Rad und dann hatte er so Probleme wieder nach Hause zu kommen mit der Bahn, keine Ahnung, hat mich sehr genervt, weil ich berlinerisch überhaupt nicht hören kann, da finde ich ja sächsisch noch angenehm gegen. Ich konnte dann viel öfter nicht mehr, das heißt, alle zwei, drei Kilometer haben wir eine Pause gemacht und irgendwann habe ich gesagt: „Jungs, ich komme heute nicht mehr in Pamplona an, das könnt Ihr vielleicht schaffen, aber ich mache das nicht mehr, lasst mich mal hier.“ Das heißt, acht Kilometer vor Pamplona, drei vor dem nächsten Ort, habe ich dann eine Pause gemacht und die beiden sind dann weggezogen. Ich habe mich dann eine gute Viertelstunde dahingesetzt, bisschen was gegessen, was ich noch da hatte, bin dann weiter gelaufen, habe mich dann so ein bisschen nach vorn geschleppt, irgendwo einen Typen getroffen, habe dem dann für 60 Cent eine Mandarine abgekauft und gegessen. Ich saß dann so im Schatten auf einem Stein, da kam der Johann aus Berchtesgaden -Berchtesgaden ist irgendwo in Süddeutschland, oder – dann kommt das hin?- kam vorbei, und ja, der war halt supernett drauf, ich hatte den morgens schon ein paarmal gesehen, wir sind uns am Supermarkt über den Weg gelaufen und auch später habe ich den ein paar Mal überholt, dann habe ich Pause gemacht, hat er mich wieder überholt und so haben wir uns öfter mal gesehen gehabt, wusste bis dahin aber auch noch nicht, dass er Deutscher ist. Und er sagte: „Jo, komm, anderthalb Kilometer bis zum nächsten Ort, ich lauf auch nicht mehr weiter, ab dafür.“ Und dann sind wir also dahin, Villava heißt das hier, eine schöne, also richtig schöne Herberge. Der Typ hat uns erst mal reingewunken und sagte, „jo, er macht Platz, alles gut Jungs“, Stempel und sowas alles gekriegt, weil Du musst Dir nicht die Hauptstempel abholen, es reicht eigentlich, wenn Du Dir überhaupt Stempel abholst.

 

 

1. Etappe St. Jean-Pied-de-Port – Roncesvalles (Sonntag, 29.04.2018)

(Audio vom 30.04.2018) – Ups, ich werde heute 20, Moin, es ist ungefähr sechs Uhr, zehn nach sechs, genau, und ich bin schon wieder unterwegs. Es ist verdammt dunkel. Es macht auf jeden Fall Spaß zu laufen. Ich wollte hier noch das von gestern alles zusammenfassen und die Fahrt auch.

Während der Fahrt habe ich viel geschlafen im Bus, natürlich. Dann habe ich einen netten Mann aus Düsseldorf kennengelernt, mit dem ich dann auch den zweiten Bus und den letzten Anschluss genommen habe. Ich weiß leider nicht, wie er heißt, ich habe nicht danach gefragt. Ich habe ihn auch leider nicht mehr wiedergesehen. Er wollte sich noch einen Kaffee holen, bevor ich gestern (also Sonntag) losgelaufen bin. Er hat sicher kein Zimmer gekriegt. Ein paarmal hatte ich gestern ziemlich viel Glück, ich habe mein Regencape am Bahnhof liegen lassen und der Busfahrer hat das gefunden und rumgefragt, wem das gehört. Ohne dieses Regencape wäre ich gestern ziemlich in der Bredouille gewesen.

   (1. Etappe ca. 30 km St. Jean –> Roncesvalles (29.04.2018))
Danach ging es los und ich habe Max getroffen, einen Studenten aus Hamburg und mit dem bin ich dann ein gutes Stück gelaufen, ungefähr die ersten drei Kilometer, schätze ich. Es ging sehr steil bergauf, die Etappe war nicht mehr feierlich, sowas hatte ich nicht erwartet und auch noch nicht erlebt. Max war irgendwann wesentlich langsamer als ich, das heißt, ich bin vorgegangen.

Im Ort habe ich weder Bank noch offene Supermärkte gefunden. Das heißt, dass ich mit leerem Magen losgelaufen bin und das zweite Glück war dann ein Ire, den ich getroffen habe und der mir ein Stück von seinem Schinken-Käse-Baguette und eine Banane abgegeben hat. Ohne das wäre ich ebenfalls nicht viel weiter gekommen. Weil auf leeren Magen diesen Berg hochzurennen, wäre schon sehr stressig gewesen. Mit ihm bin ich dann zwischen 11 und 15 Kilometern gelaufen, bis er dann auch irgendwann nicht mehr konnte und ich die letzten drei Kilometer, die dann nur bergab gingen, wesentlich schneller gelaufen bin, weil ich das langsame Gehen, wo man sich bei jedem Schritt abbremsen muss, halt nicht so gut hinkriege. Ich bin da recht schnell runtergelaufen und habe eine Menge Leute überholt, zum Glück, weil ich mir schon dachte, dass es eng werden würde mit den Plätzen. Und so habe ich gut 20 bis 30 Plätze gut gemacht und war einer der letzten 10, die am Ende noch einen Platz bekommen habe, weil ich ja erst kurz vor vier da war. Das war aber noch relativ schnell find‘ ich. 6 Stunden, 25 km, 1500 Höhenmeter – kann man schon mal machen – der Ire zum Beispiel war seit 7 Uhr morgens auf dem Weg. In dem Haupthöhenteil, war ich also einfach mal zwei Stunden schneller als er. Ich habe dort also sowohl noch Unterkunft als auch eins der letzten Abendessen gekriegt. Abendessen war ziemlich gut, als Vorspeise gabe es eine Brokkolisuppe, dazu zwei Teller Nudeln, als Hauptspeise gabe es Pommes mit Hühnchen oder Fisch, im nachhinein hätte ich lieber Fisch genommen, Hühnchen war auch OK, aber ich mag es nicht so gerne, das vom Knochen aus zu essen. Ich war dann gut satt, es gab auch noch Eis zum Nachtisch. Ich habe dann für die Übernachtung 8€ und das Essen 10€ bezahlt, voll OK.

Ich habe dann da auch noch Deborah, eine nette Amerikanerin kennengelernt, eine Lehrerin und die erzählte, dass sie promoted wird aus Amerika komme. Außerdem einen Südkoreaner namens Pak, der auch ganz nett unterwegs war und ein paar Kölner, eine Münchenerin – also man lernt schon sehr viele Leute kennen.